Lübeck, die traditionsreiche Hansestadt an der Trave, ist viel mehr als ein Museumsensemble backsteinerner Schönheit https://kulturtreibhaus.org/. Die sieben Türme der Altstadtinsel zeugen von einer tiefen religiösen Prägung, die weiterhin das kulturelle Leben der Stadt prägt. Wer durch die verwinkelten Gassen geht, merkt sofort, wie eng Glaube, Kunst und Gemeinschaft hier miteinander verwoben sind. Das Zukunftforum Kultur in Lübeck greift genau dieses Zusammenspiel auf und schafft Räume, in denen religiöse Traditionen und moderne kulturelle Ausdrucksformen aufeinandertreffen. Dieser Text bietet die Gelegenheit, die religiösen und kulturellen Schätze der Stadt aus einem neuen Blickwinkel zu entdecken. Er liefert eine fundierte Orientierung für alle, die begreifen möchten, wie aus alten Ritualen lebendige Gemeinschaft entsteht. Ob Sie als Besucher die Ruhe der Backsteinkathedralen suchen oder als Einwohner aktiv an interkulturellen Projekten mitwirken möchten – hier entdecken Sie konkrete Einblicke, praktische Hinweise und inspirierende Geschichten, die zeigen, wieso Lübeck ein außergewöhnliches Labor für religiös grundierte Kulturarbeit ist.
Freiwilligenarbeit und Engagement: In welcher Form Sie Bestandteil der Gemeinwesen werden
Die kirchliche und kunstvolle Gemeinschaft Lübecks existiert vom Mitwirken vieler Ehrenamtlicher, die ihre Zeit und ihre Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Ohne die vielen Ehrenamtlichen hätten viele der erwähnten Angebote einfach nicht umsetzbar. Die Kirchengemeinden, aber auch das Zukunftforum Kultur, stellen bereit eine Menge von Optionen, sich aktiv zu beteiligen – und das unabhängig von der persönlichen Konfession oder Weltanschauung. Wer gerne mit Menschen tätig ist, kann sich im Besuchsdienst einsetzen, betagte Gemeindemitglieder zu Events mitnehmen oder bei der Organisierung des Kirchencafés mitwirken. Technisch Begeisterte werden in den Teams gebraucht, die sich um die aufwendige Licht- und Tontechnik bei Auftritten und Schauen kümmern. Und wer über praktisches Geschick besitzt, findet bei der Pflege der alten Bausubstanz oder der Grünanlagen rund um die Kirchen ein erfüllendes Betätigungsfeld. Die Aufgabengebiete sind so abwechslungsreich wie die Stadt selbst.
Ein sehr bereicherndes Engagementfeld ist die kulturelle Vermittlung. Viele Kirchengemeinden stellen ein Menschen, die Vergnügen daran finden, Gästen die Historie und die religiöse Bedeutung der Gotteshäuser zu vermitteln. Eine fundierte Einarbeitung und kontinuierliche Fortbildungen sind dabei natürlich. Das Zukunftforum Kultur hat in Kooperation mit der Volkshochschule einen eigenen Qualifizierungskurs für „Kulturlotsen“ konzipiert, der kunstbezogenes Wissen mit gesprächigen Fähigkeiten und kulturübergreifender Kompetenz vereint. Absolventinnen und Absolventen dieses Kurses betreuen nicht nur Touristengruppen, sondern begleiten auch Schulklassen und organisieren Workshops, in denen die Teilnehmenden selbst schöpferisch werden. Wer sich für ein solches Ehrenamt entscheidet, erhält nicht nur vertiefte Einblicke in die Lübecker Kulturgeschichte, sondern bleibt Teil einer motivierten Gemeinschaft, in der Beziehungen über Generations- und Konfessionsgrenzen hinweg sich entwickeln.
Die religiöse und kulturelle Vielfalt Lübecks
Die Insel der Altstadt ist seit 1987 UNESCO-Welterbe, doch ihr geistiges Fundament reicht viel weiter zurück. Schon Mittelalter formten Bischofssitz, Klöster und die mächtige Kaufmannschaft eine Stadt, in der Frömmigkeit und Weltoffenheit keine Gegensätze waren. Heute zeigt sich diese Geschichte in einer bemerkenswerten konfessionellen Vielfalt wider: evangelische Hauptkirchen, eine katholische Propstei, eine russisch-orthodoxe Gemeinde und eine aktive jüdische Gemeinschaft leben Seite an Seite. Hinzu kommen muslimische Gebetsräume und kleinere spirituelle Gruppen, die das Bild einer lebendigen religiösen Landschaft abrunden. Diese Pluralität ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer Hafenstadt, die über Jahrhunderte hinweg Menschen aus dem gesamten Ostseeraum anzog. Das Zukunftforum Kultur sieht diese Vielfalt als Ressource und nicht als Trennlinie. Es fördert Begegnungen, bei denen die unterschiedlichen Traditionen nicht nur nebeneinanderstehen, sondern aktiv voneinander lernen. So wird die Stadt selbst zu einem lebendigen Lehrbuch, in dem religiöse Motive in der Architektur, der Musik und den jahreszeitlichen Festen bis heute nachwirken.
Wer die kulturelle Topografie Lübecks verstehen will, muss die religiösen Orte nicht als museale Inseln, sondern als aktive Knotenpunkte des städtischen Lebens verstehen. Die Marienkirche etwa ist nicht nur ein Meisterwerk der Backsteingotik, sondern auch eine Konzertbühne von Weltrang und ein Ort der Stille mitten im touristischen Trubel. Ähnliches trifft zu für den Dom, der mit seinen Kunstschätzen und dem angrenzenden Museumskomplex eine Brücke zwischen Glauben, Geschichte und zeitgenössischer Kunst bildet. Diese Doppelfunktion zieht sich durch nahezu alle Sakralbauten der Stadt. Sie sind geistliche Heimat für die Kerngemeinden und zugleich öffentliche Räume, in denen Ausstellungen, Lesungen und Diskussionen stattfinden. Das Zukunftforum Kultur unterstützt diese Öffnung gezielt, indem es Formate konzipiert, die spirituelle Inhalte mit kultureller Bildung verbinden. So entstehen Angebote, die sowohl kirchenferne Menschen ansprechen als auch Gläubigen neue Zugänge zu ihrem eigenen Erbe bieten.
Kulturelle Veranstaltungen im kirchlichen Raum
Die Sakralbauten Lübecks sind längst zu den vielleicht ungewöhnlichsten und gleichzeitig stimmungsvollsten Spielstätten der Stadt entwickelt. Das Spektrum der Veranstaltungen spannt sich von exzellenten klassischen Konzerten bis hin zu Theateraufführungen bis hin zu Lesungen und Podiumsdiskussionen. Die Marienkirche zum Beispiel wird während des Schleswig-Holstein Musik Festivals in einen Konzertsaal von internationaler Bedeutung, in dem Orchester und Ensembles aus aller Welt spielen. Der besondere Klang der gotischen Hallenkirchen gibt jedem Ton eine beinahe überirdische Präsenz und verwandelt selbst vertraute Werke in ein neues Klangerlebnis. Jedoch nicht nur die Hochkultur hat hier ihren Ort: Regelmäßig treten auch Chöre aus der Region, Schulorchester und freie Theatergruppen , die die Sakralräume mit frischen Formaten füllen. Diese Verbindung aus Weltklasse und lokaler Verwurzelung bildet ein Markenzeichen der Lübecker Kulturszene und findet vom Zukunftforum Kultur ausdrücklich gefördert.
Ein besonders faszinierendes Feld ist die aktuelle Kunst im Kirchenraum. Immer wieder laden Gemeinden Künstlerinnen und Künstler ein, Installationen zu entwickeln, die sich mit dem Ort und seiner spirituellen Aura beschäftigen. So entstanden in der Petrikirche bereits begehbare Lichtskulpturen, die den gesamten Kirchenraum in ein Farbenmeer tauchten, oder Videoarbeiten, die biblische Motive in die Bildsprache des 21. Jahrhunderts übersetzten. Diese temporären Interventionen ziehen ein Publikum an, das sonst vielleicht nie eine Kirche betreten würde, und stimulieren zu intensiven Gesprächen über Glauben, Kunst und Gesellschaft an. Auch die jährliche Lübecker Museumsnacht bindet die Kirchen mit ein und schafft so einen Parcours, der sakrale und profane Kulturorte miteinander zusammenführt. Das Zukunftforum Kultur erfasst diese Projekte und stellt sie in einen größeren Diskurs über die Zukunft sakraler Räume in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft.
Aufführungen und Orgelmusik als Vermittler
Die Orgelmusik hat in Lübeck eine Ausnahmestellung ein, die weit über das rein Musikalische hinausreicht. Mit Instrumenten aus verschiedenen Epochen – von der barocken Totentanzorgel in St. Marien über die romantische Kemper-Orgel in St. Jakobi bis zur modernen Orgel im Dom – verfügt die Stadt über ein aktives Klangarchiv der Orgelbaugeschichte. Die regelmäßigen Orgelkonzerte und die sommerliche Reihe „Orgelpunkt“ locken ein Publikum an, das die meditative Kraft dieser Klänge sucht, ohne zwingend einen Gottesdienst besuchen zu wollen. Viele Kantoren präsentieren zudem kurze Einführungen an, die die Funktionsweise der Instrumente erklären und die gespielten Werke in ihren geistlichen Kontext setzen. So werden die Konzerte zu Bildungsereignissen, die musikalisches Fachwissen und spirituelle Erfahrung auf organische Weise vereinen. Für Kinder und Familien gibt es spezielle „Orgelentdecker“-Programme, bei denen die jungen Zuhörer die Königin der Instrumente sogar selbst erproben dürfen.
UNESCO-Welterbestätte und sakrale Architektur
Die Aufnahme der Lübecker Altstadt in die UNESCO-Welterbeliste im Jahr 1987 würdigte nicht allein die außergewöhnliche Profanarchitektur, sondern maßgeblich auch die sakralen Gebäude als Kern des mittelalterlichen Stadtgefüges. Die sieben Türme von St. Marien, St. Petri, St. Jakobi, dem Dom und St. Aegidien sind das weithin wahrnehmbare Markenzeichen der Stadt und ebenso ein steinerndes Zeugnis des Glaubens von europäischem Rang. Die Backsteingotik, die hier ihre Vollendung fand, setzte Maßstäbe für den Kirchenbau im ganzen Ostseeraum und wirkte auf Städte von Wismar bis Tallinn. Wer die Kirchen sorgfältig betrachtet, erblickt eine Vielzahl von Details, die von der Frömmigkeit, aber auch vom Selbstbewusstsein der hansischen Kaufleute berichten: filigrane Sterngewölbe, reich verzierte Portale und die für Lübeck üblichen, schlanken Strebepfeiler, die den Baukörper rhythmisieren. Der Welterbestatus verpflichtet die Stadt, diese Bauten nicht bloß zu erhalten, sondern sie auch der Öffentlichkeit auf eine Form zugänglich zu machen, die ihre Bedeutung transportiert.
Die Herausforderung besteht darin, den Denkmalschutz mit den Erfordernissen einer lebendigen Nutzung in Einklang zu bringen. Eine Kirche, die nur noch Museum ist, verliert ihre Seele; eine Kirche, die allein auf die gottesdienstliche Nutzung vertraut, schöpft ihre Möglichkeiten als öffentlicher Raum nicht aus. Das Zukunftforum Kultur begleitet diesen Balanceakt mit besonderer Aufmerksamkeit und holt Denkmalpfleger, Theologen, Künstler und Stadtplaner an einen Tisch. Ein überzeugendes Beispiel ist die jüngste Sanierung des Domkreuzgangs, bei der ein moderner Anbau für museumspädagogische Arbeit geschaffen wurde, ohne das historische Ensemble zu schädigen. Solche Projekte belegen, dass Welterbe kein statischer Zustand ist, sondern ein dynamischer Prozess, der immer wieder neu ausgehandelt werden muss. Sie machen sichtbar, dass die sakrale Baukunst Lübecks nicht allein der Vergangenheit zugehört, sondern eine lebendige Quelle für die Stadtgesellschaft von morgen bildet.
Besichtigungen und spirituelle Pfade: Eine Anleitung für Abenteurer
Lübeck kann man auf verschiedene Weisen spirituell erkunden, und das Sortiment an sachkundigen Besichtigungen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Wer die Stadt nicht nur als Kulisse, sondern als Ort spirituellen Erlebens erleben möchte, findet zahlreiche thematische Rundgänge, die deutlich über die gängigen touristischen Wege hinausgehen. Das Zukunftforum Kultur rät zu besonders die „Wege der Stille“, eine Partnerschaft mehrerer Kirchengemeinden, die Gäste zu Stätten der inneren Besinnung führt. Dabei geht es nicht auf kunsthistorische Angaben, sondern um die persönliche Wahrnehmung: Wie wandelt sich der Klang der Tritte auf mittelalterlichen Backsteinen? Welche Gedanken löst das Licht, das durch die farbigen Fenster fällt? Solche Wahrnehmungserlebnisse werden durch knappe Impulstexte und besinnliche Musik ergänzt, bleiben aber stets frei von dogmatischen Lehren. Das Konzept richtet sich ausdrücklich an Personen, die keiner Religionsgemeinschaft verbunden sind, aber eine Sehnsucht nach Ruhe und Kontemplation empfinden.
Für kulturhistorisch Begeisterte ergeben sich die klassischen Kirchenführungen an, die von den entsprechenden Gemeinden und der Lübecker Stadtführer-Gilde angeboten werden. Hier stehen Architektur, Kunstschätze und die bewegte Geschichte der Gotteshäuser im Fokus. Besonders ratsam ist die Kombination aus Domführung und Besuch des Dommuseums, wo liturgische Geräte, Paramente und die berühmte Triumphkreuzgruppe im Original zu sehen sind. Einen ganz anderen Zugang ermöglichen die neu konzipierten „Pilgerwege im Stadtraum“. Auf markierten Routen, die an den mittelalterlichen Jakobsweg anknüpfen, vermögen Einzelgänger und kleine Gruppen die Stadt zu Fuß durchqueren. Unterwegs fordern Stationen mit Zitaten von Mystikerinnen und Mystikern zum Innehalten auf. Diese Wege verbinden die physische Bewegung mit einer inneren Reise und machen den spirituellen Reichtum der Stadt auf eine sehr unmittelbare, körperliche Weise erfahrbar.
Nützliche Tipps für Ihre eigene Erkundung
Wer auf eigene Faust losziehen möchte, sollte einige praktische Hinweise beachten, um die spirituellen und kulturellen Schätze Lübecks optimal zu erleben. Die meisten Kirchen sind tagsüber geöffnet, doch die genauen Besichtigungszeiten variieren je nach Gemeinde und Jahreszeit. Es empfiehlt sich, vorab einen Blick auf die Websites der Kirchengemeinden oder die zentrale Plattform des Kirchenkreises zu werfen. Dort finden sich auch Hinweise auf Sonderführungen, etwa die beliebten Nachtführungen in St. Marien oder die Turmbesteigungen von St. Petri, die bei klarem Wetter einen unvergesslichen Panoramablick bieten. Für den Besuch von Konzerten und Veranstaltungen ist eine frühzeitige Reservierung ratsam, da die Plätze in den historischen Kirchen oft begrenzt sind. Wer die Stille sucht, sollte die frühen Morgenstunden oder die späten Nachmittagsstunden unter der Woche wählen, wenn die großen Besucherströme abgeebbt sind. Ein kleiner Reiseführer mit spirituellen Impulsen ist in der Tourist-Information und im Domladen erhältlich und bietet auch für erfahrene Lübeck-Kenner überraschende Perspektiven.
Interreligiöser Dialog und Gemeinschaftsprojekte
In einer Stadt, deren Geschichte von Handel und Warenaustausch geprägt ist, liegt der interreligiöse Dialog beinahe in der Luft. Das Zukunftforum Kultur hat in den vergangenen Jahren gezielte Formate entwickelt, die Kontakte zwischen Christen, Juden, Muslimen und Menschen ohne religiöses Bekenntnis erlauben. Ein Vorzeigeprojekt ist die jährliche „Nacht der offenen Gotteshäuser“, bei der Synagoge, Moscheen und Kirchen parallel ihre Türen öffnen. Besucherinnen und Besucher können nicht allein die Räume kennenlernen, sondern kommen bei Führungen, Teezeremonien und Podiumsgesprächen einfach miteinander ins Gespräch. Diese Veranstaltung ist absichtlich niedrigschwellig angelegt und vermeidet auf lange Vorträge; stattdessen stehen persönliche Begegnung und das gemeinsame Erleben von Musik, Kalligrafie oder kulinarischen Spezialitäten im Vordergrund. Der Erfolg gibt dem Konzept Recht: Jahr für Jahr steigen die Besucherzahlen, und aus einmaligen Kontakten entstehen dauerhafte Kooperationen.
Ein weiteres wichtiges Feld ist die gemeinsame Sozialarbeit. Unter dem Dach der Lübecker Tafel oder der ökumenischen Bahnhofsmission engagieren sich Ehrenamtliche aller Konfessionen und auch konfessionslose Helfer Seite an Seite. Diese Praxis der gelebten Solidarität überwindet theologische Differenzen nicht durch Diskussion, sondern durch gemeinsames Handeln. Das Zukunftforum Kultur begleitet solche Initiativen dokumentarisch und stellt sie in den Kontext einer größeren Erzählung: der Stadt als solidarischer Gemeinschaft, in der religiöse Wurzeln zu einem Motor bürgerschaftlichen Engagements werden. Besonders spannend sind Projekte mit Jugendlichen, etwa das interreligiöse Friedenscamp, das in den Sommerferien stattfindet. Hier erarbeiten muslimische, christliche und jüdische Jugendliche gemeinsam eine Performance oder eine Ausstellung zu Themen wie Gerechtigkeit oder Heimat. Die entstehenden Werke werden anschließend in wechselnden Gemeindehäusern gezeigt und laden das Publikum ein, eigene Vorurteile zu hinterfragen.
FAQ
Was für religiösen Gebäude sind in Lübeck besonders sehenswert?
Vor allem die fünf gotischen Kirchen: St. Marien mit der Totentanzorgel, der Dom mit dem beeindruckenden Triumphkreuz, St. Petri mit der Aussichtsplattform sowie Wechselausstellungen, St. Jakobi als Seefahrerkirche sowie St. Aegidien als Quartierkirche mit einer lebendigen Gemeindearbeit. Auch die katholische Propsteikirche Herz Jesu und die Synagoge in der St.-Annen-Straße stellen architektonisch und spirituell eine Besichtigung wert. Die russisch-orthodoxe Gemeinde feiert ihre Gottesdienste in einem schlichten, aber eindrucksvollen Raum in der Altstadt.
Existieren interreligiöse Events, bei denen Besucher teilnehmen können?
Ja, die jährliche „Nacht der offenen Gotteshäuser“ im September stellt einen Höhepunkt dar. Dabei öffnen Synagoge, Moscheen und Kirchen zur gleichen Zeit ihre Türen und bieten Führungen, Musik und kulinarische Proben. Auch das interreligiöse Friedenscamp im Sommer heißt Gäste herzlich willkommen, die sich über die entstandenen Kunstprojekte informieren wollen. Viele Moscheegemeinden bieten zum Fastenbrechen im Ramadan ein; die Termine werden über die lokale Presse sowie die Webseiten der Gemeinden bekannt gegeben.
Wie kann ich mich ehrenamtlich in der religiösen Kulturszene Lübecks einbringen?
Die Kirchgemeinden und das Zukunftforum Kultur bieten zahlreiche Möglichkeiten: vom Besuchsdienst über die Mithilfe bei Konzerten und Ausstellungen bis zur Ausbildung zum Kulturlotsen. Interessierte können, sich direkt an die Pfarrbüros der Gemeinden zu wenden oder die Ehrenamtsbörse des Kirchenkreises zu nutzen. Der Qualifizierungskurs „Kulturlotsen“ der Volkshochschule übermittelt kunsthistorisches Wissen und kommunikative Kompetenzen für die Führung von Besuchergruppen.
Sind die Lübecker Kirchen auch außerhalb der Gottesdienste zugänglich?
Grundsätzlich ja. Die meisten Kirchen sind tagsüber für Besucher geöffnet, allerdings können die Zeiten je nach Gemeinde, Jahreszeit und anstehenden Veranstaltungen variieren. St. Marien und der Dom haben in der Regel die längsten Öffnungszeiten. Es empfiehlt sich, vor einem Besuch die aktuellen Hinweise auf den Websites der Gemeinden zu prüfen. Während der Gottesdienste und bei Sonderveranstaltungen können touristische Besichtigungen eingeschränkt sein.
Welche Rolle spielt die Kirchenmusik im Kulturleben der Stadt?
Eine zentrale Rolle. Die Lübecker Kirchenmusiktradition reicht bis zu Dietrich Buxtehude zurück und ist heute mit Orgelkonzerten, Kantatengottesdiensten und der Reihe „Orgelpunkt“ lebendig wie nie. Die Knaben- und Mädchenkantorei schulen junge Stimmen aus, und die historischen Orgeln bringen internationale Künstler an. Die Kirchenmusik ist ein niedrigschwelliger Zugang zu spirituellen Räumen und erreicht ein Publikum weit über die Kerngemeinden hinaus.
Welche Aspekte macht das UNESCO-Welterbe in Lübeck aus glaubensbezogener Sicht einzigartig?
Die Altstadt ist ein herausragendes Beispiel für die Verbindung von bürgerlicher Macht und tiefer Frömmigkeit im Mittelalter. Die sieben Kirchtürme formen die Silhouette und beweisen von einer Stadt, die ihren Reichtum bewusst in sakrale Baukunst investierte. Die Backsteingotik setzte Maßstäbe im gesamten Ostseeraum. Heute ist es, diese Bauten als lebendige Orte des Glaubens und der Kultur zu schützen – eine Aufgabe, der sich das Zukunftforum Kultur vorrangig widmet.
Feste und Sitten im Jahreskreis
Das kulturell geprägte Jahr in Lübeck wird von einem Zyklus religiös verankerter Feste geprägt, die über die Grenzen von die Kirchenmauern wirken. Der Advent und die Weihnachtszeit nehmen dabei eine herausragende Stellung ein. Der Lübecker Weihnachtsmarkt, der sich mit seinen historischen Buden zwischen Rathaus und Marienkirche hinzieht, ist einer der schönsten in ganz Deutschland. Hier verbinden sich handwerkliche Tradition, kulinarische Köstlichkeiten und ein reichhaltiges Bühnenprogramm mit der direkten Präsenz der Kirche, in der täglich Adventsandachten und Krippenspiele abgehalten werden. Doch auch die weniger spektakulären Feste des Kirchenjahres gestalten das städtische Leben: die ruhigen Prozessionen in der Karwoche, die festlichen Osternachtsfeiern mit Osterfeuer im Domhof oder die verbindenden Pfingstgottesdienste unter freiem Himmel auf dem Marktplatz. Diese Feiern sind nicht exklusiven Veranstaltungen für Kirchenmitglieder, sondern offene Einladungen, die den Zyklus des Jahres für alle erlebbar machen.
Neben den christlichen Festen gewinnen auch die Feiertage anderer Religionen zunehmend an Sichtbarkeit. Das jüdische Lichterfest Chanukka wird mit einer öffentlichen Menora-Zeremonie auf dem Koberg begangen, und zum muslimischen Fastenbrechen im Ramadan laden Moscheegemeinden regelmäßig Nachbarn und Interessierte zu einem gemeinsamen Iftar-Essen ein. Diese Öffnung ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Stadtgesellschaft, die religiöse Vielfalt nicht nur toleriert, sondern aktiv feiert. Das Zukunftforum Kultur unterstützt diese Entwicklung, indem es einen interkulturellen Festkalender herausgibt und Begegnungsformate organisiert, die das gegenseitige Verständnis vertiefen. Besonders beliebt sind die gemeinsamen Kochabende, bei denen Teilnehmerinnen und Teilnehmer traditionelle Festgerichte aus ihren Herkunftskulturen zubereiten und dabei ins Gespräch kommen. So wird der Jahreskreis zu einem bunten Mosaik aus vertrauten und neuen Bräuchen, das die Gemeinschaft stärkt.
- Lübecker Weihnachtsmarkt (Ende November bis Silvester): Handwerkskunst, Unterhaltungsprogramm und tägliche Adventsmusik in St. Marien.
- Osterfeiern in der Osternacht: Gemeinsame Gottesdienste im Dom und an der Trave, häufig mit anschließendem gemeinsamen Frühstück.
- Nacht der offenen Gotteshäuser (September): Synagoge, Moscheen und Gotteshäuser öffnen gleichzeitig ihre Türen für Begegnungen.
- Öffentliche Chanukka-Feierlichkeiten (Dezember): Anzünden der Menora auf dem Koberg mit musikalischer Begleitung und jüdischen Gerichten.
- Friedenscamp der Religionen (Sommer): Jugendliche verschiedener Glaubensrichtungen aus verschiedenen Religionen erarbeiten gemeinsam kreative Projekte.
- Pfingstgottesdienst am Marktplatz: Ökumenischer Gottesdienst unter freier Natur, musikalisch begleitet von Chören der Stadt.
Alte Kirchen als lebendige Kulturorte
Die fünf großen Altstadtkirchen – St. Marien, St. Petri, St. Jakobi, der Dom und St. Aegidien – formen das steinige Rückgrat der Stadt. Doch ihre Bedeutung ist nicht in der beeindruckenden Bausubstanz. Eine jede dieser Kirchen verfügt über in den letzten Jahrzehnten ein eigenständiges kulturelles Profil aufgebaut, das deutlich über den sonntäglichen Gottesdienst hinausreicht. St. Marien, die Kirche der Bürger und Ratsherren, beinhaltet die weltbekannte Totentanzorgel und veranstaltet regelmäßig Orgelkonzerte, die Musikliebhaber aus weiten Teilen Europa begeistern. St. Petri hingegen ist zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst und Wissenschaft gewandelt; die Aussichtsplattform auf dem Turm präsentiert nicht nur einen atemberaubenden Blick, sondern auch wechselnde Ausstellungen, die gesellschaftliche Fragen aus ästhetischer Perspektive darstellen. Diese Profilierung ist keineswegs willkürlich, sondern das Produkt einer absichtlichen kulturpolitischen Strategie, die das Zukunftforum Kultur über Jahre verfolgt und aufzeichnet.
Ein sehr bemerkenswertes Beispiel für die Verwandlung vom rein kirchlichen Raum zum aktiven Kulturort ist die Jakobikirche. Als alte Seemannskirche wahrt sie mit der Gedächtniskapelle für die auf See Gebliebenen ein einzigartiges maritimes Erbe. Parallel dazu hat sie sich als Konzertkirche profilierte sich, in der ebenso alte Musik auf historischen Instrumenten wie auch experimentelle Klanginstallationen zu hören sind. Die restaurierte Führer-Orgel und die beiden kleineren Instrumente erlauben ein Klangspektrum, das von barocker Pracht bis zu avantgardistischen Kompositionen geht. Diese Verbindung aus liturgischer Nutzung und öffentlichem Kulturprogramm ist bezeichnend für den Lübecker Weg. Sie zeigt, dass Kirchen keine geschlossenen Gesellschaften sind, sondern willkommene Stätten, die auf der Höhe der Zeit wirken. Wer sich darauf einlässt, entdeckt Räume, in denen Stille und Klang, Gebet und Performance, Tradition und Innovation gewinnbringend aufeinandertreffen.
Die Rolle der Kirchenmusik im städtischen Leben
Die Lübecker Kirchenmusiktradition führt bis zu den großen Kantoren der Hansezeit zurück, allen voran Dietrich Buxtehude, der im 17. Jahrhundert an St. Marien arbeitete und die berühmten Abendmusiken schuf. Diese Konzertreihe war ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges, das Kaufleute, Handwerker und Reisende gleichermaßen begeisterte. Heute knüpfen die Kantorate aller Hauptkirchen bewusst an dieses Erbe zurück, ohne in der Vergangenheit zu stehen. Regelmäßige Orgelvespern, Kantatengottesdienste und die sommerliche Reihe „Orgelpunkt“ lassen geistliche Musik zu einem festen Bestandteil des kulturellen Kalenders. Besonders bemerkenswert ist die Ausbildung junger Musikerinnen und Musiker: Der Lübecker Knabenkantorei und der Mädchenkantorei gelingt es, Kinder und Jugendliche nicht nur stimmlich zu entwickeln, sondern ihnen auch einen tiefen Zugang zur spirituellen Dimension der Musik zu ermöglichen. So bleibt die Kirchenmusik ein lebendiger Dialog zwischen den Generationen und ein wichtiger Impulsgeber für die gesamte städtische Kulturszene.